← Alle Fachartikel


<aside> ⚡

Digitalisierung × Führung × Arbeitsgestaltung

Ein Fachbeitrag von Lorenz P. Zwahlen | 15.10.2026 | Lesezeit ca. 5 Minuten

</aside>

Warum digitale Belastung selten ein IT-Problem ist – und was Führung und Organisation dagegen tun können.

Wir digitalisieren Prozesse, führen neue Tools ein und machen Informationen jederzeit verfügbar. Und dann wundern wir uns, wenn Menschen müde werden.

Für dieses Phänomen gibt es einen Begriff: Technostress. Gemeint ist der Stress, den Menschen bei der Nutzung von Informationssystemen im Arbeitskontext erleben. Er entsteht weniger «wegen der Technik» als wegen der Art, wie digitale Arbeit organisiert ist.

Was die Forschung beschreibt

Die Technostress-Forschung unterscheidet mehrere Auslöser. Ragu-Nathan et al. (2008) nennen fünf: Technologie zwingt dazu, schneller und länger zu arbeiten; Arbeit dringt in die freie Zeit ein; Systeme sind komplex; Menschen fürchten um ihre Rolle; und ständige Veränderungen schaffen Unsicherheit.

Die Studie «Gesund digital arbeiten?!» hat über 5'000 Erwerbstätige in Deutschland befragt und zwölf Belastungsfaktoren der digitalen Arbeit identifiziert (Gimpel et al., 2019). Dazu gehören das Gefühl ständiger Erreichbarkeit und die Überflutung mit Informationen. Rund jede dritte befragte Person war mindestens einem dieser Faktoren sehr stark ausgesetzt. Digitaler Stress ging unter anderem mit Erschöpfung, geringerer Arbeitszufriedenheit und schlechterer Leistung einher.

Spätestens seit der Pandemie ist digitale Zusammenarbeit für viele Organisationen Alltag geworden – und damit auch die Frage, wo Arbeit beginnt und wo sie endet (Kniffin et al., 2021).

Typische Auslöser im Arbeitsalltag

In der Praxis zeigt sich Technostress oft in ganz gewöhnlichen Situationen:

Die unbequeme Wahrheit

<aside> 💡

Technostress ist selten ein IT-Thema. Es ist ein Führungs- und Organisationsdesign-Thema.

</aside>

Das zeigt auch die Forschung. Tarafdar, Pullins und Ragu-Nathan (2015) fanden einen negativen Zusammenhang zwischen Technostress-Auslösern und Leistung. Technische Schulungen allein reichten nicht, um diesen Effekt aufzufangen. Wirksamer waren Ansätze, die Menschen stärken: das Vertrauen in die eigenen digitalen Fähigkeiten und der Einbezug in die Einführung neuer Systeme.

Auch die Studie «Gesund digital arbeiten?!» verweist auf organisationale und soziale Faktoren, die digitalem Stress entgegenwirken – etwa einen grösseren Handlungsspielraum bei Entscheidungen und eine gute Beziehung zur vorgesetzten Person.